Die folgenden Projekte wurden über vier Jahre hinweg im Rahmen des
Bundesprogramms „Vielfalt tut gut – Jugend für Vielfalt, Toleranz und Demokratie“
mit einer Sekundarschule aus dem Landkreis Anhalt-Bitterfeld durchgeführt. Parallel zu den
Veranstaltungen sind Handreichungen entstanden.

Hier kommen Sie zu den Publikationen, die im Rahmen dieser Arbeit enstanden sind.

Fair bringt mehr

Im Januar 2010 wird in Kooperation mit der Hochschule Magdeburg, der Martin-Luther-Universität Halle Wittenberg, der Hochschule Merseburg und weiterer Partner ein Projekttag unter dem Motto „Fair bringt mehr“ zum fairen Umgang miteinander gestaltet. In insgesamt 19 Stationen wird das Thema Mobbing aus ganz unterschiedlichen Perspektiven bearbeitet. Nicht nur der Lehrerschaft wird an diesem Tag ersichtlich, wie wichtig Schülerpartizipation ist, sondern auch den Schülern und Schülerinnen selbst. Sie merken, dass sie mit für die Gestaltung ihrer Schule und Umwelt verantwortlich sind und selbst etwas dazu beitragen können. 

Miteinander leben

Die Projektwoche mit dem Titel „Miteinander Leben“ baut auf dem Kommunikationstraining auf. Die Idee, dass unterschiedliche Menschen mit individuellen Problemen sowie mit Problemen ihrer „Umwelt“ in einem großen Mietshaus leben, gibt der Projektwoche den Rahmen. Damit soll bewusst ein Beitrag zur weiteren Förderung sozialer und kommunikativer Kompetenzen und zur Entwicklung von Konfliktlösungsstrategien bzw. -fähigkeiten geleistet werden. Die Kinder sollen dabei lernen, ihre Konflikte selbstständig und vor allem konstruktiv zu lösen.

Innerhalb von fünf Tagen erarbeiten die Schülerinnen und Schüler in Kleingruppen eine Szene zu einem Konflikt aus ihrer Lebenswelt, schreiben dazu ein Drehbuch und stellen am vierten Tag kreativ-gestalterisch Kulissen, Requisiten und Kostüme her. Nach dem Einüben der Spielszenen führen die einzelnen Gruppen ihre Szenen vor den Eltern, Lehrern, anderen Schülerinnen und Schülern auf, bauen ihre gestalteten Wohnungen zu einem Haus zusammen und laden schließlich als Hausgemeinschaft alle Zuschauer zum abschließenden Hausfest ein.

Neben der geschaffenen besseren Lernatmosphäre, kann auch in diesem Projekt jedes Kind sich und den zuschauenden Eltern und Kollegen beweisen, dass es etwas kann und einen wertvollen Beitrag für seine Klasse bzw. Gruppe leistet.

Das abschließende Hausfest wird gemeinsam mit den Elternvertretern der beteiligten Klassen vorbereitet, sodass auch die Eltern in die Entwicklungen einbezogen werden.

Schulinterne Lehrerfortbildungen

Nicht unerwähnt bleiben soll auch die Zusammenarbeit mit den Lehrern und der Schulleitung. Im Laufe des Projekts „Vielfalt tut gut“ wurden zur Vorbereitung und Einbettung der aufgeführten Aktivitäten für die und mit den Schülern mehrere Zukunftswerkstätten und thematische Workshops durchgeführt. Wichtig waren in diesem Zusammenhang zudem die schulinternen Lehrerfortbildungen (SchiLF) mit dem gesamten Kollegium zu „Grundlagen und Methoden Kooperativen Lernens“ sowie zu „Mobbing und Anti-Mobbing-Strategien“.

Schullandheim und Schulzirkus

Der einwöchige Schullandheimaufenthalt kurz nach Beginn des Schuljahres und das darin integrierte Schulzirkusprojekt haben einen zentralen Stellenwert im hier vorgestellten Projekt „Demokratie lernen an der Schule – Klasse werden – Schule gestalten“. Innerhalb des Schullandheimaufenthaltes sollen die Schülerinnen und Schüler, die auf dem Gebiet des Zirkusspiels natürlich Laien sind, gemeinsam unter Anleitung eine komplette Zirkusaufführung planen, einstudieren und durchführen. Der Schulzirkus, dessen Vorbereitung und Durchführung sowohl Spaß macht aber auch Anstrengungen erfordert, dient zugleich als gruppendynamisches Instrument zur Entwicklung der Klassengemeinschaft. Ziel ist es, dass die psychologisch bedeutsamen Grundbedürfnisse nach Anerkennung, Zugehörigkeit und Selbstwirksamkeit möglichst weitgehend erfüllt werden. An erster Stelle steht daher, dass alle Kinder mitwirken und mit planen, ihre Programmnummern, Kostüme und die Manege mitgestalten sowie zuverlässig und zunehmend eigenverantwortlich handeln.

Bei der Arbeit mit den Kindern wird nicht so sehr Wert gelegt auf Perfektion und Höchstleitung. Nicht die Präsentation professioneller Kunststücke und artistische Meisterleistungen stehen beim Schulzirkus im Vordergrund. Vielmehr geht es um ein spielerisches, kreatives Ausführen von Bewegungs- und Darstellungsfertigkeiten, wobei der Spaß und das vor allem das Gemeinschaftserleben auf dem Weg zur Präsentation vor den Eltern Priorität haben. Zudem stellt die Zirkusarbeit einen Ausgleich zu Bewegungs- und Erfahrungsmangel dar. Jeder kann sich in einen oder mehrere der angebotenen Bereiche einbringen und sich somit als unentbehrlichen Teil des Ganzen erleben.

Die Schülerinnen und Schüler entdecken in der Woche aber auch außerhalb der Vorbereitung auf die Schulzirkusaufführung viele neue Fähigkeiten an sich und können miteinander in vielfältigen Formen in Kontakt treten und dabei nebenbei auch Sinn und Zweck gemeinsamer Regeln erleben. Den Lehrern wird mit dem Schullandheimaufenthalt die Möglichkeit geboten, ihre Schüler außerhalb des Unterrichts und weitgehend frei von Bewertungsmaßstäben zu erleben. Neben den beschriebenen trainingsbezogenen Tagesabläufen sorgen die Teamer (Mitglieder von Pro Schule e.V. und Studierende des Studiengangs Erziehungswissenschaften der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg) für abwechslungsreiche Interaktionsspiele, (z. B. mit dem Schwungtuch), die Teamentwicklung und soziale Kompetenzen fördern helfen.

Am vierten Tag findet schließlich die Aufführung der einstudierten Zirkusnummern vor Publikum, das heißt vor den Eltern, Großeltern, Geschwistern und Freunden der Kinder statt. Dabei können die Schülerinnen und Schüler zeigen, was sie gelernt haben oder besonders gut können. Der Beifall für die Aufführungen erzeugt Stolz auf die gemeinsamen Leistungen und fördert die Identifikation mit der Klassengemeinschaft und der neuen Schule.